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Wissen schafft Umweltfreundliche Produktentwicklung

Im Kreis der Wissenschaftler.

Eine umweltfreundliche Produktentwicklung wird an den Hochschulen der Wirtschaftsregion Hamburg schon lange als eine Zukunftsaufgabe verstanden. Doch die ausgeprägte Interdisziplinarität der Gesamtaufgabe überschreitet regelmäßig den Zuschnitt klassischer Forschungs- und Lehrgebiete. Notwendig ist eine instituts- und hochschulübergreifende Zusammenarbeit. Das Hamburger Kompetenznetzwerk – Umweltfreundliche Produktentwicklung hat daher am 25. und 26. März 2013 Wissenschaftler aus der Region zur Klausurtagung „Umweltfreundliche Produktentwicklung in Forschung und Lehre“ eingeladen, um Lösungsansätze für diese Herausforderungen zu diskutieren.

Um ein umweltfreundliches Produkt zu konzipieren, ist es erforderlich, bereits im Vorfeld alle Phasen des Produktlebenszyklusses - von der Idee über die Produktion und Nutzung bis hin zu Recycling oder Beseitigung - zu bedenken. Diese Komplexität stellt Wissenschaftler angesichts der jeweils spezifischen Kompetenzen und Zugänge der einzelnen Fachdisziplinen vor große Herausforderungen. Bei einer zweitägigen Klausurtagung im Zollenspieker Fährhaus nutzten Wissenschaftler von Hochschulen aus Hamburg, aber auch Bremen, Lüneburg und Lübeck die Möglichkeit, sich abseits des normalen Hochschulbetriebes über umweltfreundliche Produktentwicklung auszutauschen und die erforderliche Vernetzung zu forcieren.

Die interdisziplinare Zusammenarbeit stellt eine immer wiederkehrende Anforderung dar. Die Tagungsteilnehmer aus Bereichen wie Konstruktion, Design und Recht haben unterschiedliche Sichtweisen auf die Thematik und müssen sich zunächst auf eine gemeinsame Basis verständigen. Ein zentraler Aspekt der gemeinsamen Diskussionen war daher die Frage, was genau ein umweltfreundliches Produkt eigentlich sei. Auch der Wissenschaftlerkreis konnte hierzu keine einheitliche Definition oder verallgemeinerbare Kriterien benennen. Die Verständigung lag jedoch darauf, dass Umweltfreundlichkeit eher die Richtung von Innovationen des Produktes selber und der Art seiner Nutzung beschreibt als einen Zustand. Die ehrliche Kommunikation zu solchen Einschätzungen sahen die Beteiligten durchaus als eine gesellschaftliche Aufgabe der Wissenschaft an.

An konkreten, praktischen Lösungsansätzen, Produkte umweltfreundlicher zu gestalten, mangelt es in den verschiedenen Fachdisziplinen in keiner Weise. Was nach Einschätzung der Beteiligten allerdings teilweise fehlt, ist ein konzeptionell-methodischer Gesamtrahmen, in dem diese Lösungsbeiträge dargestellt und diskutiert werden. Dies gilt insbesondere für die Lehre, wo angesichts der sehr gestrafften Lehrpläne derzeit faktisch kaum Raum besteht, entsprechende Grundlagen zu vermitteln. Dies ist um so bedauerlicher, da von den Studierenden entsprechende Informationen durchaus nachgefragt und mit Interesse aufgenommen werden.

Um entsprechende Lehrmodule in den Lehrplänen einbringen zu können, müssten derartige Kompetenzen und Qualifikationen bei Hochschulabsolventen auch seitens der Wirtschaft deutlich stärker nachgefragt werden, forderten insbesondere Professoren der Fachhochschulen, die dem Anspruch einer praxisnahen Ausbildung besonders nachkommen sollen. Der Bedarf sei hier immer noch zu gering.

Änderungen in regulatorische Rahmensetzungen und ein Wandel der Konsumentenanforderungen führen bei den Unternehmen allerdings durchaus verstärkt zu technischen Fragen in Bezug auf eine umweltfreundlichere Produktentwicklung. Dieser Bedarf ist von den Hochschulen aufzufangen. Um hier Beratungen zu erbringen, die den notwendigen ganzheitlichen Blick leisten können, ist die enge Verbindung zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen und Hochschulen sehr wichtig. Als Pendant muss den Unternehmen allerdings vermittelt werden, dass die Hochschulen hier fundierte Kompetenzen und spannende Lösungen zur umweltfreundlichen Produktentwicklung bieten können.

Die Teilnehmer der Klausurtagung sehen an dieser Stelle Potenzial zu handeln und als Wissenschaftler im Hamburger Kompetenznetzwerk – Umweltfreundliche Produktentwicklung eine wichtige Funktion einzunehmen. Als ein erster Schritt wurde das Einstellen von Personenprofilen der Hochschulen auf die Internetseite des Kompetenznetzwerkes verabredet. Kompetenzen und Ansprechpartner können so schneller überblickt und bei Beratungsbedarf gezielter kontaktiert werden.

Darüber hinaus möchten sich die Wissenschaftspartner verstärkt mit thematischen Beiträgen den Diskussionen in der interessierten (Fach-) Öffentlichkeit stellen. Auftakt bietet die IPP-Veranstaltung „Ökodesign im betrieblichen Innovations- und Entwicklungsprozess“ am 28. Mai 2013.