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Ökologische Bewertung

Konzeptionelle Grundlagen

    1. Worum geht es?

Worum geht es bei der umweltfreundlichen Produktgestaltung? Warum rückt dieses Thema zunehmen in den Fokus der umwelt- aber auch der wirtschaftspolitischen Diskussionen und was sind zentrale Begriffe dieser Diskussion? Erste Antworten auf diese Fragen einhält das nachfolgende Kapitel.

In den 70er und 80er Jahren standen Themen wie die Schadstoffemissionen aus großen Industrieanlagen, Einleitungen giftiger Chemikalien in Gewässer oder aber „wilde“ Müllhalden im Mittelpunkt er umweltpolitischen Diskussionen. Durch entsprechende gesetzliche Auflagen und ihre Umsetzung konnten hier deutliche Fortschritte erzielt werden. Im Verlauf der 90er Jahre wurde aber zunehmend deutlich, dass diese Maßnahmen alleine nicht ausreichen, den Grad der Umweltbelastungen durch moderner Industrie- und Konsumgesellschaften auf ein zukunftsfähiges Maß zu beschränken.

Im Rahmen der globalen Umweltschutzkonferenz in Rio wurde 1992 die Agenda einer Nachhaltigen Entwicklung diskutiert und verabschiedet. Dabei wurde der Entwicklung „nachhaltiger“ Konsummuster ein hoher Stellenwert zugeordnet, denn Produkte verursachen in ihrem Lebensweg eine Vielzahl von (schädlichen) Umweltwirkungen.1

Zur Herstellung von Produkten werden Rohstoffe abgebaut und weitere natürliche Ressourcen eingesetzt. Die Produktions- und Transportprozesse benötigen Energie und verursachen entsprechende Emissionen. Je nach Art des Produktes kommt es während seines Gebrauches zu weiteren Emissionen (z.B. Verbrennungsabgasen eines Motors) und/oder Ressourcenverbräuchen (z.B. dem Verbrauch an Tonerpulver eines Laserdruckers). Will der Nutzer sich am Ende der Gebrauchsdauer des Produktes entledigen so wird dieser zu Abfall der entsprechend sachgerecht zu entsorgen ist. In welchem Maß dabei enthaltene Materialien zurückgewonnen werden können und wieviel Aufwand notwendig ist um enthaltene Schadstoffe zu zerstören bzw. so abzulagern, dass sie dauerhaft von der Biosphäre getrennt werden hängt von den Produkten und ihrer Zusammensetzung ab.

Entsprechende Untersuchungen und Pilotvorhaben in der EU zeigten, dass der überwiegende Teil der skizzierten Umweltwirkungen bereits im Entwurfs- und Designprozess festgelegt wird, da hier die die Materialien, ihre Zusammensetzung und Massen sowie die Art ihrer Verbindung festgelegt und mögliche Nutzungen eröffnet werden.

Integrierte Produktpolitik zielt als Konzept europäischer Umweltpolitik darauf ab, Umweltbelastungen durch Produkte zu reduzieren. Sie schafft Rahmenbedingungen, die die Marktakteure unterstützen, ihre Produkte nach ökologischen Kriterien zu verbessern und sie auffordert, in einen Verbesserungsdialog zu treten.  Dabei wird der gesamte Lebensweg betrachtet: von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung, Verwertung oder Wiederverwendung.

IPP will eine Denkweise vermitteln: es geht um die ökologische Betrachtung des Kreislaufs von Produkten. Durch die Anwendung verschiedener Methoden sollen die Umweltauswirkungen, die ein Produkt in den verschiedenen Phasen seines Lebenszyklus verursacht, vermindert werden.

Ökologische Aspekte sollen schon bei der Produktentwicklung berücksichtigt und mit anderen Zielen wie Funktion, Kosten, Qualität und Sicherheit in Einklang gebracht werden. 

Die Integrierte Produktpolitik zeigt Handlungsspielräume auf und sollte als Aufforderung zu unternehmerischer Kreativität verstanden werden. Die ökologischen Anforderungen an die Produktentwicklung sollten im engen Kontakt zwischen allen am Produkt beteiligten Akteuren vorangebracht und im Dialog mit Verbrauchern und Kunden kritisch geprüft werden.

Darauf kommt es an: 

  • Welche und wie viele Rohstoffe für werden ein Produkt verwendet

  • Wie viel Energie wird für seine Herstellung und während seines Gebrauchs benötigt

  • Welche Emissionen setzt es frei

  • Wie weit ist es reparaturfähig und technologisch nachrüstbar

  • Wie ist die Entsorgung oder Wiederverwendung geregelt

Entwicklung

Die Eckpunkte der Integrierten Produktpolitik werden 2001 von der EUR Kommission im sogenannten Grünbuch erstmals veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Unter Berücksichtigung der Rückmeldungen aus den Mitgliedsstaaten und den verschiedenen Interessengruppen wird dann im Jahr 2003 von der EU Kommission die Kommunikation „Integrierte Produktpolitik - Auf den ökologischen Lebenszyklus-Ansatz aufbauen“ publiziert.
 
Darin werden u.a. 5 Grundsätze einer IPP formuliert:

  1. Denken in Lebenszyklen

  2. Zusammenarbeit mit dem Markt

  3. Einbeziehung aller Beteiligten

  4. Laufende Verbesserung

  5. Flexible politischen Instrumente   

Neben verschiedenen umweltpolitischen Instrumenten zur Gestaltung der regulativen Rahmensetzungen werden auch konkrete Ansätze zur Umsetzung des Konzeptes  benannt. Dabei wird besonderes Gewicht auf zwei Phasen im Lebensweg von Produkten gelegt, welche ausschlaggebend für die Umweltauswirkungen von Produkten sind: Das Ökodesign von Produkten, sowie die sachkundigen Entscheidungen der Kunden und Verbraucher.

Entsprechende Instrumente und Werkzeuge zur Berücksichtigung des gesamten Produktlebensweges und zur besseren Kundeninformation sollen entwickelt und gefördert werden. In einer Reihe von Pilotvorhaben und Umsetzungsvorhaben wurden in den Folgejahren Grundsätze und Ansatzpunkte der IPP in der Praxis erprobt.

Im Jahr 2009 stellt die EU-Kommission in einem Bericht zur Umsetzung der Integrierten Produktpolitik fest, dass ihre Grundsätze erfolgreich in den Europäischen Politik-Rahmen für Nachhaltigkeit in Produktion und Konsum sowie für eine nachhaltige Industriepolitik aufgenommen wurden.

Aktuelle Aktivitäten
Während in der umweltpolitischen Debatte in kurzer Folge neue Begrifflichkeiten verwendet und bestehende Schwerpunkte in neue Programme überführt werden, haben viele Unternehmen  in den letzten Jahren zentrale Aspekte der Integrierten Produktpolitik erfolgreich in ihre Kommunikation und Produktentwicklung integriert.

Aktivitäten zur weiteren Umsetzung der Ansätze der IPP finden sich insbesondere im Rahmen des Bayerischen Umweltpaketes (www.ipp-bayern.de)  sowie in den bereits abgeschlossenen Projekten in Hamburg.

 

    1. Die Integrierte Produktpolitik

Das Grünbuch zur Integrierten Produktpolitik der EU Kommission2 bietet eine Grundlage zum Verständnis, was unter diesem Begriff zu verstehen ist:

„Mit dem Konzept der integrierten Produktpolitik wird das Ziel verfolgt, die Umweltauswirkungen von Produkten während ihres gesamten Lebenszyklus vom Abbau der Rohstoffe über die Herstellung, den Vertrieb, die Verwendung bis hin zur Abfallentsorgung zu verringern. Grundlage dieses Ansatzes ist die Erkenntnis, dass es notwendig ist, die Umweltauswirkungen des Produkts in jedem Stadium seines Lebenszyklus zu berücksichtigen, und dass diese Einfluss auf die Entscheidungen der beteiligten Gruppen haben sollten.“

Das Grünbuch verweist also explizit auf die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus und spezifiziert weiter:

„Die integrierte Produktpolitik konzentriert sich auf die entscheidenden Phasen im Lebenszyklus, welche ausschlaggebend für die Umweltauswirkungen von Produkten sind und in denen Verbesserungen vorgenommen werden können. Dies sind vor allem die Phasen des Ökodesigns von Produkten, der sachkundigen Entscheidungen der Verbraucher und der Berücksichtigung des Verursacherprinzips bei der Festlegung der Produktpreise. Zudem fördert die IPP Instrumente und Werkzeuge zur Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus.

Die Lebenswegbetrachtung schließt gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Betrachtungen in allen relevanten Phasen und Dimensionen der Produktherstellung oder Dienstleistungserbringung mit ein – so können bisher unerkannte Potenziale z.B. der Ressourcenschonung oder Emissionsreduktion genutzt werden.

Die Integrierte Produkt Politik basiert auf der Übernahme der Verantwortung für die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen bei der Herstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung.

In Kapitel findet sich eine detailliertere Betrachtung zentraler Konzepte und Begriffe rund um die Integrierte Produktpolitik.

 

    1. Integrierte Produktsystemoptimierung

Die Integrierte Produktsystemoptimierung umfasst die praktische Umsetzung der Integrierten Produktpolitik.

Für eine Integrierte Produktsystemoptimierung muss ein ökologischer, ökonomischer und sozialer Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus geworfen werden. Die Wechselwirkungen zwischen Produkt und Umwelt müssen über den gesamten Lebensweg verbessert werden. Dabei spielen nicht nur die Potenziale im eigenen Unternehmen eine Rolle, sondern auch die Leistungsfähigkeit und technischen Möglichkeiten der externen am Lebensweg des Produktes beteiligten Akteure. Durch die Kommunikation mit allen beteiligten Partnern können bisher unentdeckte Potentiale nicht nur für Umweltschutz und Ressourcenschonung, sondern ebenso für die Kosteneffizienz ermittelt werden. So können nicht nur verbesserte oder gänzlich neue Produktionsprozesse, sondern gegebenenfalls sogar innovative neue Geschäftsfelder entwickelt werden.

 

Abbildung : Erweiterter Betrachtungshorizont entlang des Lebensweges von Produkten durch IPP. Quelle: [IPP Leitfaden KMU, 2005]

 

    1. Denken in Produktlebenszyklen

Um eine Integrierte Produktoptimierung konsequent umzusetzen, muss der Produktlebenszyklus eines Produktes konsequent betrachtet und Optimierungspotenziale während jedes Prozessschrittes in Betracht gezogen werden. Sinnvollerweise sollten dabei zunächst solche Optimierungspotenziale umgesetzt werden, die den meisten Umweltnutzen bei besten Kosten-Nutzen-Verhältnissen aufweisen.

Möglicherweise stellt sich heraus, dass die besten Optimierungsoptionen nicht im eigenen Unternehmen, sondern bei einem Zulieferer, dem Kunden oder beim Entsorger liegen – also nicht im eigenen unmittelbaren Verantwortungs- und Handlungsbereich. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die von allen Akteuren (auf freiwilliger Basis) getragen wird, ist daher unerlässlich, um als Hersteller auch solche Potenziale aktivieren zu können.

 

Abbildung : Denken in Produktlebenszyklen. Quelle: [IPP Lebenszyklen, 2008]

 

    1. Handlungsoptionen im Unternehmen

Die Wettbewerbsfähigkeit ist für Unternehmen gerade auf globalen Märkten entscheidend. Teilweise wird nachhaltiges Agieren am Markt noch als teuer und die eigene Stellung am Markt gefährdend wahrgenommen. Dies muss jedoch nicht so sein. Eine Reduzierung von Umweltbelastungen während der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Produkten kann durchaus Einsparungen im Unternehmen hervorrufen und / oder die Marktposition positiv beeinflussen. Davon abgesehen stellen sich immer mehr Unternehmen einer nachhaltigen Unternehmensführung, nicht zuletzt, da es auch vom Verbraucher gefordert und gefördert wird. Ausgangspunkt für die Zielsetzung, umweltverträgliche Produkte zu vermarkten ist dabei, bereits bei der Neuentwicklung eines Produktes die Umweltauswirkungen zu optimieren. Je mehr Akteure (Politik, Wirtschaft, Handel, Verbraucher, Entsorger) in diesen Prozess eingebunden sind, desto besser können die Anforderungen an IPP-gerechte Produkte formuliert, umgesetzt und kommuniziert werden. Wer nicht nur auf politische und rechtliche Rahmenbedingungen wartet, sondern eigene Entwicklungen vorantreibt, kann Standards für reagierende Wettbewerber setzen.

Die Integrierte Produktoptimierung zielt auf alle an der Produktherstellung beteiligten Prozesse und Akteure ab. Dabei ist außerdem die Kommunikation mit dem Verbraucher ein wichtiger Bestandteil, denn an dieser Stelle kann die Einstellung und das Verhalten der Verbraucher hin zu umweltfreundlichem und nachhaltigem Handeln beeinflusst werden.

 

Abbildung : Die IPP-Kette. Quelle: [IPP Marketingkonzepte, 2005]

 

    1. Umweltfreundliche Produktentwicklung

Umweltfreundliche Produktion, Nutzung und Entsorgung eines Produktes beginnt beim Design des Produktes. Umweltfreundliche Produktentwicklung – auch als „Ecodesign“ oder Ökodesign bezeichnet - beschreibt die systematische Vorgehensweise, frühzeitig, also während der Designphase des Produktes, umweltrelevante Aspekte in den Produktplanungsprozess einzubringen. Auf diese Weise soll die umweltfreundliche Produktentwicklung zu Produkten führen, die „bei optimaler Erfüllung des gewünschten Nutzens eine minimale Menge an Ressourcen, Energie und Fläche benötigen, bei gleichzeitiger Minimierung des Schadstoffeinsatzes und –ausstoßes und der Abfälle – und das über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.“ [Tischner, 2000].

Das Lebenszyklusdenken ist entscheidend für die umweltfreundliche Produktentwicklung. Beim Lebenszyklusdenken und der umweltfreundlichen Produktentwicklung ist es wichtig, nicht nur die theoretische Möglichkeit der umweltfreundlichen Gestaltung in das Produkt einzubauen, sondern die praktische Umsetzung der umweltfreundlichen Gestaltung aktiv zu unterstützen. Das bedeutet z. B. [Tischner, 2000]:

  • Nicht nur die theoretische Möglichkeit des Energiesparens während der Nutzungsphase zu integrieren, sondern das Produkt so zu gestalten, dass der Verbraucher diese Funktionen wie selbstverständlich nutzt.

  • Nicht nur die theoretische Möglichkeit der sortenreinen Zerlegung des Produktes sicherzustellen, sondern auch dafür zu sorgen, dass sie genutzt wird.

  • Nicht nur die Reparaturfähigkeit zu ermöglichen, sondern die Reparatur aktiv zu fördern und zu unterstützen.

  • Nicht nur theoretisch 100% recyclebares Material zu verwenden, sondern dafür Sorge zu tragen, dass es auch dem Recyclingprozess zugeführt wird – vorzugsweise einem Like-for-Like Recycling und keinem Downcyclingprozess.

Welches Design als „Ökodesign“ angesehen werden kann, kann nur individuell für ein bestimmtes Produkt entschieden werden. Grundsätzlich gibt es jedoch ein paar Parameter, die für jedes Produkt als Ansatz für ein EcoDesign überprüft werden können [Tischner, 2000]:

  • Geringes Gewicht, wenig Materialverbrauch

  • Hohe Energieeffizienz

  • Kurze Transportdistanz

  • Recycling oder problemlose Entsorgung

  • Lange Lebensdauer, Reparierbarkeit

 

Einen umfangreicheren Überblick bietet die Kriterienmatrix/Strategietabelle von econcept [Tischner, 2000]:

Abbildung : Die Kriterienmatrix/Strategietabelle von econcept – Teil 1. [Tischner, 2000]

Abbildung : Die Kriterienmatrix/Strategietabelle von econcept – Teil 2. [Tischner, 2000]

 

    1. Nutzen der Umweltfreundlichen Produktentwicklung

Prioritärer Nutzen von Ecodesign ist selbstverständlich die Verringerung der negativen Umweltbelastung durch ein Produkt entlang seines Lebensweges. Daneben kann Ecodesign aber auch weiteren Nutzen haben.

  • Kostenreduktion: Durch die Reduktion von Material- und Energieverbrauch sowie durch die Vermeidung von Abfällen können in der Produktion Kosten gespart werden. Aus gesellschaftlicher Sicht ist zudem zu berücksichtigen, dass der vorsorgende Umweltschutz meistens günstiger ist als der nachsorgende.

  • Erfüllung gesetzlicher Anforderungen: Ecodesign kann dazu eingesetzt werden, gesetzliche Anforderungen an die umweltfreundliche Gestaltung zu erfüllen (z.B. Mindestanforderungen durch Verordnungen der Ökodesign-Richtlinie).

  • Verbesserung der Marktposition: Die Positionierung gegenüber dem Wettbewerb kann durch die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte oder Produktionsprozesse stark verbessert werden. Durch eine positive Bewertung durch Kunden und Verbraucher kann dies zu einer verbesserten Marktposition führen.

  • Mitarbeitermotivation: Engagiertes Ecodesign kann ein Teil des Leitbildes innerhalb des Unternehmens und somit Ausdruck einer Wertevorstellung sein, die zu einem erhöhten Zusammengehörigkeitsgefühl und Engagement der Mitarbeiter führt.

  • weitere Argumente finden sich bei [Tischner, 2000]

 

 

    1. Argumente für die umweltfreundliche Produktentwicklung

Für die erfolgreiche Umsetzung von umweltfreundlicher Produktentwicklung innerhalb eines Unternehmens bedarf es einer „kritischen Masse“ an Menschen, die dessen Grundgedanken hinreichend verinnerlicht haben und in die Praxis umzusetzen versuchen. Dabei stoßen sie zumeist auch auf kritische Stimmen, die es zu überzeugen gilt. Im Folgenden finden sich einige von Kritikern oftmals gestellte Fragen und mögliche Antworten, wörtlich übernommen aus dem Leitfaden Marketing [IPP Marketingkonzept, 2005]:

Was bringt uns IPP eigentlich - außer eine Menge Arbeit mit neuen Dingen?

IPP fördert die ganzheitliche Denkweise für alle Unternehmensbereiche und damit Teamarbeit, Innovation und Kreativität. Die Beschäftigung mit IPP hat strategischen Charakter und wirkt sich vor allem langfristig aus. Dennoch sind meist auch spontan und kurzfristig konkrete Vorteile zu realisieren.

Warum sollen wir als Hersteller mit IPP beginnen? Die Lieferanten (Entsorger, Kunden, Handel....) müssten doch den Anstoß geben!

„In Anbetracht der Größe der Herausforderung und der Vielzahl der beteiligten Gruppen kann das Ziel nur erreicht werden, wenn die verschiedenen Akteure das Potenzial dieses Konzepts erkennen und sich dafür engagieren, dass es umgesetzt wird.“ (Grünbuch zur Integrierten Produktpolitik der Europäischen Kommission). Der Hersteller sitzt an den zentralen Schnittstellen. Er hat die Chance, beim Produktdesign die vor- und nachgelagerten Stufen mit einzubeziehen. Er ist Urheber des IPPKonzeptes für sein Produkt und kann damit sowohl den Zulieferer als auch den Handel und alle weiteren beteiligten Akteure (z.B. Wiederaufbereiter, Entsorger) führen.

IPP kann unsere sinkenden Erträge auch nicht umdrehen.

Stimmt. Aber durch die Vernetzung mit allen Akteuren der Wertschöpfungskette bis hin zum Entsorger kann es sein, dass ein Ansatzpunkt entdeckt wird, der in der Stand-alone-Position des Unternehmens nicht aufgedeckt worden wäre.

Aus Umweltgründen alleine kauft doch keiner etwas. Außerdem ist Umwelt im Produkt schwierig zu erklären.

Oft ist es auch gar nicht wichtig, die Umweltfreundlichkeit eines Produktes an den ersten Rang zu stellen. IPP versucht Produkteigenschaften zu identifizieren, die für den Kunden interessant und zudem umweltfreundlich bzw. nachhaltig sind. Der IPP-typische Kundendialog unterstützt die Argumentation zusätzlich.

Nachhaltigkeit und Umwelt verteuern nur die Produkte. Wird für ein „IPP-gerechtes“ Produkt auch ein höherer Preis realisiert?

Dafür gibt es keine Garantie. Allerdings stimmt es nicht, dass IPP die Produkte zwangsläufig teuer macht, wie Projekte aus der bayerischen IPP-Initiative zeigen. IPP kann und soll Einsparungseffekte bringen.

Öko-Marketing ist nur etwas für Öko- Fundamentalisten!

Modernes Öko-Marketing in Anlegung an IPP unterscheidet sich grundlegend vom Öko-Marketing der frühen 90er Jahre.

Wir haben gar keine "grünen" Produkte.

Ein Produkt enthält viele Leistungspotenziale, die IPP-gerecht sein können. Die Umweltfreundlichkeit ist nur ein Aspekt davon. Weitere Aspekte sind: Gesundheitsverträglichkeit, Transparenz der Wertschöpfungskette, leichte Informationsgewinnung, Arbeitsschutz und -sicherheit, Ergonomie der Verwendung, leichtes Handling, Nutzen für die Gesellschaft, Kosten der gesamten Nutzungsdauer, Nachhaltigkeit des Wirtschaftens usw.

Solche Konzepte klingen gut, solange es der Branche gut geht. Sobald es schlechter geht, will der Kunde nur noch den günstigsten Preis haben, alles andere interessiert ihn nicht mehr.

IPP soll nicht ein Konzept für eine Luxus-Volkswirtschaft sein, sondern es soll die Marktkräfte für sich nutzen. Wenn IPP-Eigenschaften Kosteneinsparungen, Kundenbindung oder Wettbewerbsvorteile bringen, dann lohnt es sich immer.

Der Handel macht bei IPP nicht mit, das ist der Bremser.

Der Handel wird sich immer an einem Konzept beteiligen, von dem er auch profitieren kann. Die Vorteile muss er nur richtig vermittelt bekommen: Vertriebsschulung! Außerdem: Wenn mit IPP richtig gearbeitet wird, dann wird der Handel schon bei der Produktkonzeption mit einbezogen. Fangen Sie mit dem Kunden an, der ein aufgeschlossener „Early Adopter“ ist.

1 Faktisch stellen Umweltwirkungen immer einen potentiell die natürlichen Gleichgewichte beeinflussenden Eingriff dar, weshalb Umweltbelastungen und Umweltwirkungen meist synonym verwendet werden. Näheres über die Herausforderungen Umweltwirkungen zu messen und zu beurteilen erfahren Sie im Abschnitt Modul: Lebensweganalyse

 

2KOM (2001) 68 endgültig Brüssel, den 07.02.2001 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2001/com2001_0068de01.pdf