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Praktische Umsetzung

Umsetzen von Ecodesign

Grundlegende Handlungsprinzipien

Die Integrierte Produktpolitik gibt nur wenige konkrete Forderungen vor, die im Rahmen der umweltfreundlichen Produktentwicklung eingehalten werden müssen. Tatsächlich müssen alle Akteure selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie zur Integrierten Produktsystemoptimierung für ihr jeweiliges Produkt oder Dienstleistung ergreifen möchten.

Als grundlegende Handlungsprinzipien der Integrierten Produktpolitik gelten [IPP Info, 2007], [IPP Lebenszyklen, 2008]:

  • Kommunikation (d.h. Austausch und gegenseitige Information der Akteure,

  • Kooperation (d.h. Zusammenarbeit für ein gemeinsames Anliegen) und

  • Integration (d.h. Berücksichtigung aller Umweltmedien, aller Lebenswegphasen sowie aller ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte).

Zwischen den Akteuren entlang des Produktlebensweges muss eine ständige und vertrauensvolle Kommunikation herrschen – denn gemeinsam erarbeitet man Ziele und einigt sich auf Vorgehensweisen in der praktischen Umsetzung. Zu einer guten Kommunikation während der Umsetzung relevanter Veränderungen gehört unbedingt ein beständiges Feedback unter den Akteuren.

Jeder Akteur versteht sich auf sein jeweiliges Betätigungsfeld am besten. Ansatzpunkte und Umsetzungswege sollten für eine Integrierte Produktoptimierung sollten daher nicht isoliert unternehmensintern, sondern in Kooperation mit allen Beteiligten erarbeitet werden. Auch zunächst Produktlebenszyklus-fremde Institutionen wie Forschungseinrichtungen können hinzugezogen werden. Durch Kooperation können umfassende Produktinnovationen beschleunigt und Verbesserungspotenziale in Produktlebenszyklus schneller erkannt werden.

Integration bedeutet, dass die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte während eines Produktlebenszyklus von der „Wiege bis zur Bahre“ eines Produktes betrachtet werden. Probleme werden nicht zwischen Umweltmedien, Disziplinen, Regionen, Partnern oder Generationen verlagert. Es werden dauerhaft tragfähige Problemlösungen geschaffen. [IPP Info, 2007], [IPP Lebenszyklen, 2008

Erste Schritte

Entscheidend ist die Einbeziehung (und ggf. Überzeugung) der relevanten Entscheidungsträger. Ohne den Rückhalt der Unternehmensleitung und der betroffenen Führungskräfte ist es nicht möglich, im Unternehmen eine integrierte Produktoptimierung durchzuführen. Eine solche Produktoptimierung geht unter Umständen mit erheblichen Veränderungen entlang der gesamten „Supply Chain“ einher, die ohne den „Segen von oben“ nicht ins Rollen kommen kann. Je größer die Kenntnis über Umweltwirkung und ökologische Zusammenhänge im Unternehmen (bei den relevanten Personen) ist, und je konkreter das Wissen über den eigenen Umwelteinfluss, desto besser stehen die Chancen für ein Projekt zur Integrierten Produktoptimierung.

Einige Argumentationsansatzpunkte sind bereits oben genannt. Für eine überzeugende Kommunikation ist neben einer fundierten Darstellung der Umweltaspekte hilfreich, erfolgreiche Beispiele vergleichbarer Systeme / Produkte darzustellen und aus der umweltfreundlichen Produktentwicklung zu erhoffende unternehmerische Potentiale aufzuzeigen.

Zu Beginn eines Ecodesign-Projektes sollte ein Produktgremium gebildet werden, in dem alle relevanten Akteure vertreten sind. Dies können Mitarbeiter (und Führungskräfte) des eigenen Unternehmens sein, sowie unternehmensfremde Akteure entlang der Produktlebenskette, wie Zulieferer, Entsorger, ggf. Kundenvertreter oder Transportunternehmen. Aus jedem Produktlebensbereich sollte zumindest ein Vertreter zugegen sein (z.B. Produktion, Vertrieb, Einkauf, Reklamation, Marketing, etc und vor allem Forschung und Entwicklung bzw. Produktdesign).

Sollte es sich im Unternehmen um die Optimierung eines ersten Produktes handeln kann es sinnvoll sein, gezielt Mitarbeiter mit guten methodischen Kenntnissen und Fähigkeiten einzubeziehen (z.B. des Projektmanagements). Als „Erstprojekt“ sollte zunächst ein überschaubares Projekt ausgewählt werden. An diesem kann gelernt werden und greifbare und schnelle Erfolge erzielt werden. Diese motivieren die involvierten Mitarbeiter und können als Initialzündung im Unternehmen wirken.

Es ist sinnvoll, von Beginn an ein Bewusstsein und Verständnis für mögliche Wechselwirkungen zu schaffen. Die Entscheidungen während einer Integrierten Produktsystemoptimierung können auf vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen unter Umständen einen großen Einfluss nehmen.

Grundsätzliches methodisches Vorgehen

Die umweltfreundliche Produktentwicklung unterscheidet sich nicht grundsätzlich von den üblichen Produktentwicklungsprozessen. Es geht beim Ecodesign-Prozess zusätzlich darum, Umweltaspekte in die Planungsvorgänge zu integrieren. Grundsätzlich können drei unterschiedliche Herangehensweisen unterschieden werden [entnommen aus: Tischner, 2000]:

1. Redesign: Ein (eigenes oder fremdes) Produkt (Referenzprodukt) wird als Ausgangsprodukt genommen und soll durch Ecodesign verbessert werden.

2. Neudesign/Eco-Innovation: Aufgrund z. B. von Marktbeobachtungen soll ein neues Marktsegment oder neue Aspekte eines bekannten Marktsegmentes (Nutzerbedürfnis) bearbeitet werden. Oder es sollen neue Produkte für die Anwendung neu entwickelter Technologien gestaltet werden.

3. Neues Konzept/System/Dienstleistung: Ausgehend von einem Nutzer- oder Kundenbedürfnis wird nach einer grundsätzlich umweltschonenderen Lösung, einer neuen Geschäftsidee gesucht, um das Bedürfnis zu befriedigen.

Das methodische Vorgehen folgt der Logik jedes Veränderungsprojektes. Es handelt sich somit keineswegs um im Unternehmen gänzlich neue Prozesse, sondern vielmehr um eine gezielte Ergänzung mit umweltrelevanten Anforderungen. Als erster Schritt wird der Lebensweg des Produktes analysiert (siehe Kapitel: Methoden) und dabei relevante Umweltbelastungen bzw. große Veränderungs-/Verbesserungspotentiale ermittelt. Da i.d.R. nicht alle Parameter gleichzeitig in Angriff genommen werden (können), erfolgt auf Basis dieser Analyse eine Priorisierung der zu reduzierenden Umweltauswirkungen. Ideen zur Verbesserung der Situation werden gesammelt und die Lösungsansätze bewertet. Als letzter Schritt erfolgt die Planung und Realisierung der Umsetzung. Der IPP-Bayern-Leitfaden für KMU illustriert diese Schritte in einer Abbildung. [IPP Leitfaden KMU, 2005]

1. Produkt-/Problemanalyse

2. Prioritäten setzen

3. Ideen finden

4. Lösung bewerten

5. Umsetzung

Abbildung : Der IPP-Baukasten. Quelle: [IPP Leitfaden KMU, 2005]

Für die praktische Umsetzung dieser Schritte besteht eine Vielzahl hilfreicher Instrumente. Diese lassen sich nach ihrer Funktion im Ecodesign-Prozess und ihrer Komplexität und dem mit der Anwendung verbundenem Aufwand unterscheiden. So lässt sich Verbesserungspotential mit wenig Aufwand aber auch nur orientierend mit Checklisten abprüfen oder aber zielgenauer und aufwendiger mit einer Ökobilanz erfassen. Tischner [Tischner, 2000] gibt eine Übersicht. Kapitel Modul: Instrumente und Hilfsmittel beschreibt ausgewählte Instrumente.

Abbildung : Kategorisierung der für EcoDesign hilfreichen Instrumente. Quelle: [Tischner, 2000]

Fördermittel für Unternehmen und Berater mit Hamburg-Bezug

Für Pilotprojekte mit entsprechenden Umweltwirkungen können möglicherweise Fördergelder beantragt werden. Hierfür kommen neben europäischen, nationalen und überregionalen Förderprogrammen auch spezifisch in Hamburg aufgelegte Programme in Frage.

Innovationsstiftung

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